Die Technik, schwimmende Farben für die Herstellung von Buntpapieren zu benutzen, ist die älteste bekannte und wurde schon im 8.Jahrhundert in Japan angewendet.
In eine Wanne wird eine schleimartige Flüssigkeit gefüllt, auf welche man Farben auftropft, die man je nach Wunsch mustern kann. Die Farben schwimmen auf dem Schleim und treiben dort auseinander, sie vermischen sich nicht.
Mit einem präparierten Papierbogen hebt man die schwimmenden Farben ab, indem der Bogen auf den Schleim aufgelegt und wieder abgezogen wird.
Sobald das Papier die Oberfläche des Schleimgrundes berührt, saugt es die Farben auf. Das klassische Marmorierbecken ist eine Wanne aus Zinkblech, in der an der Schmalseite ein Überlauffach abgeteilt ist. Man kann auch eine Wanne ohne Überlauffach benutzen, muß aber dann vor jedem neuen Farbauftrag die alten Farbreste von der Schleimoberfläche über den Außenrand schieben. Die Wanne soll um einige Zentimeter größer sein als das zu musternde Papier und mindestens 7 cm hoch.
Zum Auftragen der Farben kann man weiche, langhaarige Pinsel, Reisstrohpinsel, Reisstrohbesen oder kleine Pipetten verwenden. Das Mustern der Farben auf der Schleimoberfläche geschieht mit angespitzten Hölzchen, verschiedenen Kämmen oder aber mit unterschiedlichen Chemikalien. Da man heute im Handel kaum noch Marmorierkämme bekommen kann, sei hier erklärt, wie man sie aus Pappe oder Holz, Nägeln und Leim herstellen kann.
Aus dicker Pappe (ca. 3 mm) oder aus Holz schneidet man zwei gleichgroße rechteckige Stücke zu, ca. 7 cm x die Breite der Wanne plus 5 cm. Auf einen dieser Streifen werden kleine Nägel oder kräftige Stecknadeln, deren Köpfe in einer vorher eingeschnittenen Rille versenkt wurden aufgeklebt.

Pfauenkamm, bestehend aus zwei Marmorierkämmen,
die sich paralell gegeneinander verschieben lassen
Sind die Nägel gleich tief versenkt und parallel ausgerichtet, wird der zweite Streifen mit Leim beschmiert und auf den ersten geklebt.
Je nach Art der gewünschten Papiere bestimmt man die Nadelabstände, die in der Regel zwischen
3 mm und 1 cm liegen.
Pfauenkammleisten, die für die Herstellung von Pfauen Marmorpapieren nötig sind, muß man bei Bedarf auch selbst anfertigen. Auf einer Holz- oder Pappleiste. die ca. 3 mm stark sein soll, etwas kürzer, als die Marmorierwanne breit ist und ungefähr 7cm breit, werden zwei oder mehr Reihen dünner Drahtstifte befestigt. Normalerweise liegt der Zinkenabstand zwischen 2 cm und 7 cm. Pfauenkämme, deren Herstellung wesent lich komplizierter ist, verwendete man früher auch oft zum Mustern der Pfauen- und der Bukett-Marmorpapiere. Die Ergebnisse unterscheiden sich kaum von denen, die mit der Pfauenkammleiste erzielt werden können; die Handhabung der Pfauenkämme ist aber wesentlich schwieriger.
Ein solcher Pfauenkamm besteht aus zwei gleichen, normalen Marmorierkämmen, die um einige Zentimeter
kürzer sein müssen, als die Marmorierwanne breit ist. Sie werden so miteinander befestigt, daß sie sich parallel gegeneinander um den Weg eines Zinkenabstandes verschieben lassen. Die Leiste und die Kämme sollten gegen Nässe geschützt sein, damit sie nicht während der Arbeit aufweichen. Am einfachsten ist es, sie mehrmals mit einem Lack zu überziehen.
Das Papier, welches benutzt wird, sollte gut geleimt sein, wie zum Beispiel Ingrespapier, Büttenpapier, dickes Packpapier oder ähnliches. Damit es die Farben gut aufnimmt, präpariert man es mit einer Alaunlösung:
100 g Alaunkristalle (in der Apotheke erhältlich) werden in 1 l kochendem Wasser vollständig aufgelöst. Diese Flüssigkeit gibt mao auf einen dicken Pinsel oder einen Schwamm und streicht damit das Papier ein oder taucht es in die Lösung, damit beide Seiten feucht werden. Die Alaunlösung soll fast vollständig eintrocknen, bevor man mit dem Marmorieren beginnt.
Der Marmoriergrund kann aus zwei unterschiedlichen Zutaten hergestellt werden. Früher benutzte man vorwiegend Gummitragant, den eingetrocknetcn Saft von Astragaluspflanzen, der in weißlich-gelben Schuppen, Fäden und Bändern auf den Markt kommt (in der Apotheke erhältlich).
Im folgenden werden zwei Rezepte für die Herstellung des Marmoriergrundes aus Gummitragant vorgestellt: Den getrockneten Tragant weicht man drei Tage lang in Wasser ein, rührt die Brühe ah und zu um und gießt sie dann durch ein keines Sieh oder durch ein Tuch ab.
Pro Liter Wasser nimmt matt ca. 15 g Gummitragant.
Das Rezept von Josef Halfer ist etwas detaillierter:
»Zur Bereitung des Grundes nehme man 90 Gramm Tragant, übergieße selben in einem Topf mit 2 Litern Wasser und lasse ihn 24 Stunden stehen; nach dieser Zeit wird er gut aufgequirlt und weitere 12 Stunden stehen gelassen; dies wird so oft wiederholt, bis ein gleichmässiger, dicker Schleim entstanden ist, dann giesse man noch 4 Liter Wasser hinzu, quirle ihn noch einmal gut durch und der Grund ist zum Marmorieren fertig.»
Beliebter ist der Marmoriergrund aus Charragheenmoos, auch Irisch Moos oder Isländisch Moos genannt (in Apotheken erhältlich), da er für feine Muster besser geeignet ist. Im Unterschied zum Gummitragant muß das Charragheenmoos nicht nur eingeweicht, sondern auch aufgekocht werden, damit es den gewünschten Schleim bildet. Eine der vielen Anweisungen für die Herstellung des Charragheenmoosgrundes lautet:
Auf 10l Wasser 150170 g Moos, das Moos muß mindestens acht Minuten lang in diesem Wasser kochen, anschließend wird es je nach Bedarf mit ca. 1 l kaltem Wasser verdünnt; nach dem Erkalten soll es sofort durch ein feines Sieb und dann durch ein Tuch geseit werden, um alle festen Rückstände zurückzuhalten. Diesen fertigen Grund läßt man vor der Verwendung mindestens fünf Tage in einem kühlen Raum stehen. Um es haltbarer zu machen, fügt man dem Moos vor dem Kochen 2025g reines Formalin hinzu. Besonders kalkreiches Wasser enthärtet man, indem man ihm vor dem Kochen pro Liter 1,5 g Borax beimischt.
Fast alle Rezepte für die Herstellung des Marmoriergrundes unterscheiden sich in einigen Details, zum Beispiel in den Angaben der Zutaten oder der Zeit, in der der Sud abstehen soll; übereinstimmend heben sie es aber als sehr wichtig hervor, daß alle Farben und Zutaten die gleiche Temperatur wie der Marmoriergrund und der Raum haben sollen, in dem gearbeitet wird.
Als Marmorieifarben kann man gute Temperafarben aus der Tube verwenden, denn nur bei ihnen sind die Pigmente so klein gerieben, daß sie leicht genug sind, um auf der Schleimoberfläche zu schwimmen. Die pastösen Farben werden mit destilliertem Wasser so stark verdünnt, bis sie flüssig sind. Als Treibmittel wird ihnen Ochsengalle beigemischt, die es in Fachgeschäften für den Mal- und Zeichenbedarf in gereinigter und konservierter Form zu kaufen gibt.
Früher besorgte man sich die Galle beim Schlachthof und mußte sie selbst zubereiten. Auch hierfür gab es unterschiedliche Rezepte:
Zu 3l Ochsengalle gab man 1l Spiritus; diese Lösung sollte, nachdem sie 14 Tage lang stehengelassen wurde, so abgegossen werden, daß der Satz zurückblieb. Die Galle wurde dann mehrmals gefiltert und je nach Bedarf mit 15 %igem Alkohol versetzt.
Das Rezept vonJosef Halfer lautet:
»Man nehme einen Liter frischer Galle, am besten Ochsengalle oder Fischgalle, gebe sie in eine 1,52 l fassende Flasche und giesse 1/4 Liter absoluten Alkohol dazu, schüttle beide gut durcheinander und lasse sie 14 Tage bis 3 Wochen ruhig stehen;
in dieser Zeit setzen sich alle Schleimteile und Fettsubstanzen, die bei der Galle reichlich vorhanden sind, zu Boden, und die Galle wird dünnflüssig rein und durchsichtig bräunlich-gelb oder grünlich. Ist die Galle einmal klar und rein, so wird sie durch Papier filtriert, was leicht und schnell vor sich geht, da sie wie Wasser durch ein Filter läuft. Der Zusatz von Alkohol bewahrt die Galle vor Fäulnis: so präpariert lässt sie sich jahrelang aufbewahren, ohne zu verderben.
Will man die marmorierten Papiere mit einem Stein glätten, so sollte der Farbe ein Zusatz beigemischt werden, der folgendermaßen angerührt werden kann:
In 1000 g Wasser werden 70 g gereinigter Weinstein und 300 g geschmolzener Bienenwachs erhitzt und verrührt. Eine andere Mischung besteht aus 400 g Wasser, in welchem 10 g Pottasche und 5 g Palmöl gekocht werden. Dieser Lösung wird unter ständigem Rühren folgendes hinzugefügt: 40 g zerkleinerter Karnaubawachs, in Pottaschenwasser gelöst, und 5 g Alaun, welches in 40 g Wasser gelöst ist. Beide Glättzusätze werdenden Farben im Verhältnis 1:10 beigemischt.
Der fertige Schleimgrund wird in die vorgesehene Wanne gefüllt, er sollte mindestens 4 cm hoch sein. Mit den Pinseln oder den Pipetten tropft man die Farben auf den Schleimgrund auf. Je mehr Galle den Farben beigemischt ist, und je weniger Farben sich schon auf der Oberfläche befinden, desto mehr breiten sich die Farben kreisförmig aus. Wenn man nacheinander verschiedene Farben in die vorherigen Farbkreise tropft, entstehen bunte Ringe, die man nach Wunsch symmetrisch anordnen kann. Ist die Schleimoberfläche mit Farbe gesättigt, kann mit dem Mustern begonnen werden.

Auftragen der Farben auf den Charragheenmoosgrund
Mit einem Farbauftrag gerät, mit dem man auch Schnecken-Marmorpapier mustert, kann man die Farben sehr gleichmäßig und zur gleichen Zeit auf die Schleimoberfläche auftropfen. An einem Brett, welches etwas kleiner ist als die Marmorierwanne, befestigt man in der gewünschten Form Nägel oder Stifte, die mindestens 2 cm aus dem Brett herausstehen sollten. Eine entsprechend große Wanne oder mehrere Rinnen sind mit der flüssigen Marmorierfarbe gefüllt. Nachdem man die Stifte gleichzeitig in die Farbe getaucht hat, hält man das Brett über die Marmorierwanne und stößt es einmal kurz an, so daß von allen Stiften kleine Farbtropfen auf die Schleimoberfläche fallen.
Sobald das Muster dann gefällt, wird es mit dem präparierten Papierbogen abgehoben. Das Papier wird an zwei diagonal gegenüberliegenden Ecken festgehalten und von einer Schmalseite der Wanne langsam, aber zügig auf den Grund abgerollt. Jeder Knick, der im Papier entsteht, jeder Stopper beim Abrollen und alle Ungenauigkeiten in der Bewegung sind später auf dem Papier erkennbar. Dort wo Luft zwischen Papier und Farbe war, entstehen weiße Flecken; durch falsche Bewegungen beim Auflegen des Papiers schiebt sich das Muster an einigen Stellen zusammen.
Liegt der Bogen flach auf den Farben auf, drückt man ihn noch ein wenig an und hebt ihn dann langsam ab. Dabei faßt man entweder wieder zwei gegenüberliegende Ecken des Papiers oder greift es vorsichtig an einer Schmalseite. Die Reste des Marmoriergrundes werden unter fließendem Wasser abgespühlt. Zum Trocknen hängt man das Papier entweder über eine Leine oder legt es flach ab.
Bevor der nächste Bogen marmoriert werden kann, muß der Marmoriergrund gereinigt werden. Die kleinen Farbpartikel, die von dem Papier nicht aufgenommen wurden und an der Oberfläche schwimmen, schiebt man mit einem sauberen Streifen Zeitungspapier oder mit Pappstreifen zusammen und in das dafür vorgesehene Überlauffach oder über den Rand der Wanne hinaus. Auch wenn der Schleimgrund nicht verschmutzt ist, sollte er vor jedem neuen Farbauftrag mit einem Papierstreifen gereinigt werden, damit sich
die Haut, die sich auf der Oberfläche schnell bildet, nicht störend auf die Muster auswirkt.